Positionen

Musikalische Bildung braucht Professionalität

Der Bundesverband Musikunterricht (BMU) Sachsen zeigt sich von den heute veröffentlichten Ergebnissen der Bertelsmannstudie zur Musikalischen Bildung in der Grundschule wenig überrascht. Der Studie zufolge fehlen an den Grundschulen in Deutschland 23.000 ausgebildete Musiklehrerinnen und Musiklehrer. Dabei kommt Sachsen in dieser Studie im Vergleich mit anderen Bundesländern noch gut weg. Das hat allerdings auch damit zu tun, dass der Musikunterricht in der sächsischen Grundschule gerade um eine Stunde auf im bundesweiten Vergleich unterdurchschnittliche 5 Stunden gekürzt wurde.

Einen massiven Einbruch des musikalischen Lehrpersonals an den sächsischen Grundschulen prognostiziert die Studie für die Dekade zwischen 2028 und 2038, weil hier überdurchschnittlich viele Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer in den Ruhestand wechseln. Vor diesem Hintergrund ist auch die geplante weitere Aufstockung der Studierendenzahlen im Grundschulbereich – insbesondere am Standort Chemnitz – zu begrüßen, die mit Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern ab circa 2027 wirksam wird. Unverständlich bleibt, warum zwar alle Fächer aufgestockt werden, nur Musik nicht.

Daher fordert der Bundesverband Musikunterricht mit hoher Dringlichkeit, auch am Standort Chemnitz das Fach Musik für die Grundschule zu etablieren – die Musikhochschulen in Dresden und Leipzig verfügen über keine Kapazitäten zur weiteren Aufstockung mehr. Dies hätte gleichzeitig den Vorteil, dass Musiklehrerinnen und Musiklehrer direkt in der Region ausgebildet werden, in der sie zukünftig auch zum Einsatz kommen sollen.

Die Grundschule ist der Ort, an dem Kinder aller sozialen Strukturen zusammen kommen, um gemeinsam zu lernen. Die Grundschule ist aus der Sicht des Bundesverbandes Musikunterricht daher der entscheidende Ort, allen Kindern eine solide musikalische Grundausbildung zukommen zu lassen. Musikunterricht in der Grundschule greift das kindliche Bedürfnis nach Auseinandersetzung mit der musikalischen Umwelt und eigener musikalischer Betätigung auf, er bestärkt dieses Bedürfnis und nutzt es für eine grundlegende musikalische Bildung, die in der weiterführenden Schule sowie im außerschulischen Bereich erweitert wird. Dies ist nur mit qualifizierten Musiklehrerinnen und Musiklehrern möglich.

 

Die Präsidenten Christiane Hein und Henno Kröber

Presseerklärung zum Download

Studie zum Musiklehrermangel an Grundschulen veröffentlicht

An Grundschulen in Deutschland fehlen 23.000 ausgebildete Lehrkräfte für das Fach Musik. Dies ist das Ergebnis der Studie "Musikunterricht in der Grundschule: Aktuelle Situation und Perspektive", die am heutigen 11. März 2020 vom Deutschen Musikrat, der Konferenz der Landesmusikräte und der Bertelsmann Stiftung veröffentlicht wurde.


Der BMU begrüßt, dass es erstmalig eine bundesweite Studie gibt, die sich ganz systematisch mit der Situation des Musikunterrichts an den Grundschulen auseinandersetzt. Solch eine Studie für eine föderale Bildungslandschaft zu erstellen, ist kein einfaches Unterfangen, zu unterschiedlich ist die Situation in den einzelnen Ländern.

Insgesamt zeigt die Studie ein schlüssiges Bild, das die vom BMU bisher angeführte Lage jetzt mit konkreten Zahlen belegen kann. Der Mangel an Musiklehrkräften im Bereich der Grundschule ist eklatant und offenbart ein strukturelles Problem, das sich nicht einfach lösen lässt.

In seinem Positionspapier zur Situation des Musikunterrichts an den Grundschulen hat der BMU im September 2019 auf diese Missstände hingewiesen und setzt sich für eine fachlich fundierte Ausbildung ein. Hierzu wird sich der BMU auf der vom Deutschen Musikrat initiierten Fachtagung am 26. März 2020 aktiv einbringen, um gemeinsam mit weiteren Experten ein zukunftsfähiges Konzept zu erarbeiten, um den Musikunterricht aus seiner derzeitig prekären Lage herauszuführen.

Weitere Informationen finden Sie hier:

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Abschluss des Petitionsverfahrens

Als im Frühjahr 2018 in der Presse über Kürzungen in der Stundentafel auch unser Fach betreffend gemutmaßt wurde, starteten wir als Berufsverband eine Onlinepetition. Nach wenigen Wochen fand unsere Petition 15 167 Unterstützende, davon 12 439 in Sachsen. Mit den Unterschriften im Rücken trafen wir uns als BMU-Vorstand mit Minister Piwarz und besprachen hier unser Anliegen. Außerdem unterstützten wir den studentischen Protest „Singen für Bildung“ indem wir die Produktion eines Protestsongs finanzierten (um die mediale Aufmerksamkeit zu fördern) und bei einem weiteren Treffen mit dem Minister inhaltlich und personell halfen.

 

In den Gesprächen verwies der Minister auf die personelle Notwendigkeit der Kürzungen, verwies aber auch darauf, dass es einerseits nicht einseitig zu Lasten der Musik geht, andererseits die Möglichkeiten der Ganztagsangebote genutzt werden können. In den Gesprächen wurden noch weitere Themen besprochen, darunter die Ausbildung von Musiklehrern aber auch die Arbeitsbedingungen an den Schulen.

 

Kurze Zeit darauf wurden die gekürzten Stundentafeln veröffentlicht. Dies entmutigte uns zunächst etwas, wir fassten aber dann doch den Beschluss, die Petition beim Petitionsausschuss des Landtages noch einzureichen. Am 16.07.2019 erhielten wir dann Nachricht, dass der 6. Sächsische Landtag in seiner 94. Sitzung am 03.07.2019 (Drucksache 6/18113) zu unserer Petition beschlossen hat: „Der Petition kann nicht abgeholfen werden.“ Es folgt der Bericht zur Petition.

 

Fazit: Das Glas halb voll, nicht halb leer, eine Gesundheit fördernde Betrachtungsweise. Es hat schmerzliche Kürzungen gegeben, nicht einseitig zu Lasten der Musik, aber auch die Musik betreffend. Wir wissen nicht, ob wir Ärgeres verhindern konnten oder ohnehin dies so geplant war. Was wir wissen ist, dass die Ganztagsmittel inzwischen erheblich aufgestockt wurden und die neue Ganztagsverordnung in §4 von Schulleitungen ausdrücklich Angebote „vor allem auch in Sport, Musik und Kunst“ anregt, also von Fächern, in denen der Protest sehr laut war. Was wir ebenfalls erfahren haben ist, dass vielen Menschen der Musikunterricht an Schulen wichtig ist und dass wir Unterstützung weit über Sachsen hinaus finden.

Weniger Musik ab 2019/20

So ganz wohl scheint den Verantwortlichen im Kultusministerium bei der neuen Stundentafel ab 2019/20 nicht zu sein, denn diese wurde unmittelbar vor den Sommerferien und mit dem Grundtenor der Entlastung von Schülern veröffentlicht. Defizitorientiert muss man hier von einer sehr bedauerlichen Kürzung in der Grundschule Klasse 3 und am Gymnasium Klasse 8 sprechen. Vor dem Hintergrund der derzeitigen Personalsituation und der breiten Kürzung auch an anderen Fächern scheint aber der Blick nach vorn sinnvoller. Die aufgezeigten Wege sind:

  • Schärfung der Profilierung
  • Nutzung von GTA auch in gebundener Form
  • Flexibilisierung der Stundentafel

Gerade der letzte Punkt ist eine bedeutende Veränderung, in der bedeutendes Potential steckt. Auch die beiden anderen Punkte fordern den Schulmusiker heraus und dürfte bei Schülern, Eltern und Lehrern musische Begehrlichkeiten wecken.

Als Berufsverband werden wir gestaltende Kollegen unterstützen, mit unseren Ideen, unserem Wissen, unserem Expertenpotential und unseren Kontakten.

Gespräch mit Kultusminister Piwarz

Am 11.06.2018 traf sich der Vorstand unseres Verbandes mit Kultusminister Christian Piwarz.

 

Themen waren:

1. Die Bedeutung des Faches Musik im Rahmen der kulturellen Bildung für Kinder und Jugendliche im Fächerkanon an Schulen vor dem Hintergrund von Pressemeldungen über Kürzungspläne im Fach Musik

2. Bedeutung des BMU Landesverbandes für die musische Bildung an sächsischen Schulen und die Ensemblestätigkeit und unser Rückhalt in der Bevölkerung

2. Qualitätssicherung im Fach Musik über Landeskongresse, Bundeskongresse, Symposium,

3. Schulorganisation aus Sicht des Musikunterrichts (Unterricht, GTA, AG´s, Rahmenbedingungen, Profilierungen)

4. Atraktivität und Zulassung Studium, Atraktivität des Lehrberufes

 

Im Gespräch wurden offen und freimütig Positionen ausgetauscht. Wir fanden für viele unserer Positionen viel Verständnis, konnten auch Zusammenhänge aus unserer Sicht verdeutlichen, die aus Richtung des Ministeriums vielleicht weniger deutlich sichtbar sind.

Wir haben unseren Wunsch verdeutlicht, zukünftig in Entwicklungs- und Entscheidungsprozesse eingebunden zu werden.

Online-Petition gestartet

Gegen die angekündigte Kürzungen im Fach Musik an sächsischen Schulen haben wir eine Online-Petition gestartet. Bereits in den ersten Stunden haben mehrere Tausend unterzeichnet.

Hier der Link zur Petition, das unterzeichnen geht mit Email-Adresse sehr einfach.

Gegen angekündigte Kürzungen im Fach Musik an sächsischen Schulen, für eine ästhetische Bildung von Kindern und Jugendlichen

Ankündigungen und Interviews in der sächsischen Presse künden von harten Einschnitten in das Fach Musik in Sachsen. Der genannte Grund wäre die Entlastung der Schülerinnen und Schüler. Wir empfinden Schule nicht als Belastung von Lernenden, den Musikunterricht erst recht nicht.


Musik zu machen und das ist dem Musikunterricht Sachsens immanent, steigert nicht nur das Wohlbefinden, sondern ist auch ein Mittel um Fantasie und Kreativität zum Ausdruck zu bringen. Gemeinsames Singen, Tanzen und Musizieren stärkt die soziale Kompetenz und fördert die Sprachentwicklung. Begegnungen mit Musik aus dem eigenen und aus anderen Kulturkreisen leisten wichtige Beiträge für die Pflege der eigenen Tradition und die interkulturelle Begegnung und Verständigung. Musik trainiert außerdem das aktive Zuhören, das für Lernen und Verstehen bedeutsam ist.


Musikalische Bildung trägt – abhängig von der Intensität der Auseinandersetzung der Lernenden mit Musik – zu einer insgesamt positiven Persönlichkeitsbildung bei, indem sie seelisch-emotionale Kräfte, geistig-intellektuelle Fähigkeiten und auch soziale Kompetenzen entwickeln.


Darüber hinaus legen die künstlerischen Schulfächer wichtige Grundlagen für unterschiedliche Berufslaufbahnen. In vielen, explizit nicht nur akademischen oder künstlerischen Berufen sind Kenntnisse in Formen, Farben, Tönen, Ausdruck, Kreativität Bewegung und mehr von Nöten. Die künstlerischen Schulfächer vermitteln das notwendige Rüstzeug, um eine Ausbildung aufnehmen zu können, in der diese Fähigkeiten und Fertigkeiten unerlässlich sind. Versäumnisse in den künstlerischen Schulfächern beeinträchtigen die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. Weiter mindern sie deren Ausbildungsfähigkeit.


Im Rahmen der musikalischen Bildung erfahren Kinder und Jugendliche die Welt der Musik in ihrem Reichtum und ihrer Vielgestaltigkeit und erhalten Gelegenheit, sich in ihr selbsttätig und gemeinsam zu bewegen. Musikalische Bildung spricht die gesamte Persönlichkeitsentwicklung des Kindes an.


Der Musikunterricht in der allgemein bildenden Schule richtet sich an alle Schülerinnen und Schüler. Er zielt – unabhängig von sozialen Kontexten, von Bildungsstand und finanziellen Ressourcen der Eltern – auf musikalische Bildung für alle. Dies bedeutet auch, Schülerinnen und Schüler in ihren eigenen kulturellen Ausprägungen ernst zu nehmen und Menschen mit besonderem Förderbedarf auch in inklusiven Lerngruppen in der Ausbildung musikbezogener Kompetenzen zu unterstützen.


Die angekündigten zusätzlichen Fördermittel für erweiterte musikalische Ganztagesangebote begrüßen wir, sie sind aber kein Ersatz für Musikstunden. Sie können Schule erweitern, bieten aber weder in struktureller noch personeller Hinsicht das nötige Rückgrat.


Wir wünschen uns Gespräche mit dem SMK zur Entwicklung der sächsischen Schule und zu dem, was wir dazu beitragen können. Wir sind offen für positive Weiterentwicklungen und beteiligen uns gern in einem demokratischen Prozess daran.


Wir versichern Euch, liebe Musiklehrerinnen und Musiklehrer Sachsens, dass der Landesverband des BMU die derzeitige landespolitische Entwicklung mit eigenen Ideen begleitet und diese artikuliert.
 
Im Vorstand werden derzeit weitere Schritte und Aktivitäten besprochen und dann umgesetzt.

Resolution: Künstlerische Schulfächer stärken

Der Deutsche Kulturrat fordert die Länder auf, ihrer Verantwortung für die künstlerischen Schulfächer gerecht zu werden.

 

Der Spitzenverband der Bundeskulturverbände appelliert in einer Resolution an die Kultusministerkonferenz, sich in den Ländern für den Unterricht in den künstlerischen Schulfächern stark zu machen.

 

Der genaue Wortlaut findet sich hier.